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Sunrise / Sunset
EDVM 04.02.2012
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SS: 17:12 Uhr

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D-EAHH - Sonst noch Wünsche?
Diamond-Werkfoto: DA20-A1Lange hatten die Motorflugpiloten des Aero- Club Hildesheim-Hannover auf die Auslieferung der neuen Katana DA 20 warten müssen. Zu allererst musste der Vorstand von der Anschaffung einer neuen Flugzeuggeneration überzeugt werden. Als Motivation und Finanzierung standen, verzögerte dann Diamond-Aircraft, aufgrund von Überkapazitäten bei der Auslieferung der DA 40 und der DA 42 noch einmal sechs Monate die Auslieferung.

Zu wünschen wäre, wenn unser Binnenmarkt auch so überstrapaziert würde.

Am 31. Oktober überführten dann Gerd Lindenlaub und ich, die nur leihweise zur Verfügung gestellte Katana-DA 20 C1 -mit einem Conti-Motor ausgerüstet- von unserem Heimatflughafen Hildesheim zur Diamond Zweigstelle Deutschland, nach Egelsbach.

Ein imposantes Gefühl, mal so eben ca. 240.000 Euro hin und her zu fliegen. Unkompliziert, so, als passierte das täglich, wurde die DA20 nach einer kurzen Überprüfung wieder entgegengenommen.

Vertrautmachen
Flugzeugtyp, Triebwerk und technische Daten der D-EAHH waren bekannt, so dass eine intensive Einweisung durch den Werksingenieur ausbleiben konnte. Wir lassen es uns aber nicht nehmen, unter Zuhilfenahme des Kraftstoff-Peilstabes das Tankvolumen zu überprüfen- siehe da- Tankuhr und Peilstab stimmen in der Menge überein.

Der Ölstand zeigt uns 3 Liter, 3,4 Liter sollte der maximalen Ölstand sein. Uns ist bewusst, das wir hier auf keinen Fall normales Flugzeug-Motorenoel nachfüllen dürfen.

Das Handbuch schreibt eindeutig ein 4 Takt-Motorrad-Motorenöl vor.

Ein Blick in das Flughandbuch, im Besonderen auf den Wägebericht liess uns schnell erkennen, dass die "Neue" eine ausgezeichnete Beladeperformance hat. 526 kg Leergewicht + Gerd und Peter = 172 kg + vollen Tank 74 Liter Mogas = 52 kg, sind in Summe 750 kg MTOW. Da wurde nichts schön gerechnet.

für einige Wochen unser Gast: D-EHPW (DA20-C1) Rollen
Schon das Rollen auf den breiten Rollwegen bereitet Freude. Die Bremsen sind griffig und das Triebwerk schnurrt dabei mit einem sonoren Ton. Nach einem ausführlichen Check, gemäss Checkliste, wird die Bodenfrequenz gewechselt und Egelsbach-Turm gibt uns die Startfreigabe auf der Piste 09.

Der Abflug über "TANGO" wird uns nicht gewährt, aber auch verständlich , der Flughafen Frankfurt fordert sein Tribut. Über den Pflichtmeldepunkt "ECHO" werden wir dann den Bereich EDFE verlassen.

Abflug
Am Rollhalt der Piste 09 werden die Klappen auf Startstellung gesetzt, die elektrische Kraftstoffhilfspumpe, der Transponder auf Modus C 0021 und der Scheinwerfer zugeschaltet.

Langsam schiebe ich den Leistungshebel auf Vollgas, bei 51 kts wird rotiert und mit 57 kts gehe ich den Steigflug über Der Start verläuft sehr rasant, der Rotax-Motor mit 100 PS und Verstellpropeller auf kleine Steigung gestellt, lässt uns mit satten 1000 ft pro Minute steigen.

Bei Erreichen der Sicherheitshöhe nehme ich die Drehzahl auf 2260 RPM zurück, der Gashebel steht weiter auf Vollgas. Die elektr. Kraftstoffhilfspumpe wird ausgeschaltet und ich erhöhe die Fluggeschwindigkeit auf 65 kts, parallel dazu werden die Landeklappen auf Reiseflugstellung eingefahren. Aber Achtung, nur nicht über 1500 ft steigen, denn da beginnt bereits der Luftraum C von Frankfurt.

In 1400 ft wird ausgelevelt und wir fliegen mit 65 Prozent Leistungseinstellung, Radial 184 Gedern VOR .

Wie bei jeden High-Performance-Flugzeug :
Leistungsreduktion- Leistungshebel von links nach rechts verstellen- Leistungserhöhung- Leistungshebel von rechts nach links verändern- Auf den Uhren lesen wir nun einen Ladedruck von 25 InchesHG und unser Drehzahlmesser zeigt genau 2000 RPM an. Immerhin lesen wir am Speedmeter satte 115 kts ab und laut Handbuch fliessen nun 16 Liter Mogas durch die beiden Vergaser.

Nun heisst es, sich von Egelsbach zu verabschieden und bei dem stark frequentierten Luftraum um Frankfurt, schalten wir zügig auf Frankfurt Information 119,150, um mit einen Transponder-Code weiter auf die VOR Gedern zu zufliegen.

Diamond Werkfoto: DA20-A1 Reiseflug
Frankfurt Information hat uns längst auf dem Radarschirm und genehmigt uns auf dem Radial 005 Gedern VOR auf 3500 ft zu steigen und Kurs auf das Fritzlar Beacon zu nehmen.

Dieses Radial haben wir bewusst gewählt, um nicht bei kleineren Kurs in das sehr aktive Schiessgebiet ED-R 96 einzufliegen.

Sollte etwa unser kleiner Imbiss, in dem wirklich feudalen Egelsbacher-Flughafenrestaurant, nun doch noch zu einem Sunset-Problem werden ? Mal wieder Wind aus 090 Grad mit 15 Knoten, doch eine Gegenwindkomponente, die uns wichtige Zeit kostet.

Der Faktor Zeit ( Sunset ) wird in Hildesheim bei einigen Flugleitern sehr gross geschrieben.

Wir haben nur die Alternative die Leistung zu erhöhen. Auch kein Problem bei der Katana. Der Propeller wird auf 2250 RPM gesetzt und der Manifold Pressure auf 25,7 InchHg eingestellt. Nun zeigt der Fahrtenmesser bei 75 Prozent Leistung , immerhin über 120 kts an und der Fuell Flow liegt bei 18,4 Ltr Mogas. Artig verabschieden wir uns nun bei Frankfurt Information um den nächsten Dienst- Langen Information- auf der Frequenz 123,525 in Anspruch zu nehmen. Das ist eine weise Entscheidung, denn ringsherum haben die Piloten mit sinkender Sonne und zunehmenden Dunst zu kämpfen.

Es ist immer wieder sehr beruhigend, wenn die Controller , obwohl meilenweit entfernt, dann beruhigend auf die verunsicherten Piloten Einfluss nehmen. Mittlerweile überfliegen wir den Militärplatz Fritzlar, die Kontrollzone ist aber nur 2700 ft MSL hoch. Uns droht also kein Abfangjäger und auch kein überflüssiges Luftsicherheitsgesetz. Zum Glück ist bei uns beiden die Zuverlässigkeitsüberprüfung bereits abgeschlossen.

Mit viel Phantasie erahnen wir auch schon im Dunst die Kaiserstadt Kassel. Schnell ist die Frequenz vom Warburg VOR gerastet, um bei einem Radial von 125, die geschichtsträchtige Wilhelmshöhe, nordöstlich von Kassel zu überfliegen. Noch einmal werden wir frequenzmässig nach Bremen Information (119,825) weiter gereicht.

 Der Faktor Zeit ( Sunset ) wird in Hildesheim bei einigen Flugleitern sehr gross geschrieben. 

Über die ATIS von Leine VOR 115,20 hören wir bereits das Hannover-Wetter, das bis auf die zunehmender Dunkelheit , CAVOK-Konditionen, verspricht.

Im leichten Sinkflug bei ruhiger Luft, mit gut 125 Knoten, fliegen wir jetzt auf dem Radial 204 Inbount DLE.

Wohlweislich den Ladedruck pro 1000 ft - im descent- um 1 InchHg zurück zu nehmen.

Dabei konsequente Luftraumbeobachtung, aber auch das Abscannen der Fluginstrumente während des Fluges ist bei noch nicht so vertrauten Flugzeugen äusserst wichtig.

Fünf Minuten vor erreichen unserer Home-Basis, bitte ich Bremen - Information um Verlassen der Frequenz.

Der Rest ist ein Kinderspiel. Hildesheim Info nimmt uns in Empfang und weist und die Piste 07 zu. Im Gegenanflug auf Platzrundenhöhe von 1200 ft die Vergaservorwärmung ziehen.

Platzrunde und Endanflug
Die Leistungseinstellung sollte im Platzrundenbetrieb beim Ladedruck 24 Inch HG und die Drehzahl bei 2000 RPM liegen Im Queranflug nach der Meldung, die Benzinpumpe zuschalten und die Landeklappen in Startstellung. Landeanflug um die 65 kts. Im Endanflug, Propellerverstellhebel maximale Drehzahl, Landeklappen in Landestellung, dabei Anfluggeschwindigkeit um 57 Knoten. Die Erde hat uns wieder.

Nachdem wir die Bahn verlassen haben, Landeklappen in Reisflugstellung, Vergaservorwärmung und elektrische Benzinpumpe aus. Der Flugleiter auf dem Tower, kann mit dem neuen Kennzeichen noch nicht so richtig umgehen.

Diamond Werkfoto: DA20-A1 PanelGratuliert uns dennoch herzlichst zum neuen Vereins-Flugzeug. Die Sonne verschwindet nun langsam hinter dem Osterberg und der Flugleiter hat wohl alle seine Schäfchen wieder reingeholt. Ich höre Ihn noch sagen: " Hier ist Hildesheim Info, wir haben jetzt Sunset, der Platz wird in wenigen Augenblicken geschlossen" Mit den letzten Worten drücke ich den Avionik-Schalter und drehe den Zündschlüssel auf aus.

Einen Mixer zum Abstellen des Triebwerkes wird man vergebens suchen. Ich komplettiere die Checkliste und steige mit Gerd Lindenlaub und einem guten Gefühl aus dem neuen Flieger aus.

Nun gilt es, unsere Piloten korrekt auf das schöne Flugzeug einzuweisen. Es ist sicherlich keine heilige Kuh, aber dennoch müssen wir von den zukünftigen Piloten erwarten können, dass sie das Motormanagement verstehen, um auch die hervorragenden Leistungen abrufen zu können. Sehr zufrieden mit Flug und Flugzeug, widmen wir uns nun der nächsten Aufgabe zu.

Den " SCHWARZEN RABEN " der alten Club-Gilde, dass "Abendmahl" im schönen Club-Casino zuzubereiten.

Peter Berghoff.