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Mit Kribbeln geht’s in die Luft
Auf dem Hildesheimer Flugplatz heben 17 Sehbehinderte mit zwei Segelfliegern ab

Hildesheim/Hannover (wo). Christian ist mutig. Er möchte sofort fliegen und so sitzt er als erster im Segelflugzeug. Selbstverständlich ist das nicht. Denn Christian ist blind, er hat den ersten Flug seines Lebens vor sich. Insgesamt 17 blinde und hochgradig seh- und mehrfachbehinderte junge Leute aus dem niedersächsischen Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) in Hannover-Kirchrode sind jetzt beim Aero-Club Hildesheim-Hannover zu Gast gewesen.

Ermöglicht hat dies der Lions Clubs Hannover-Tiergarten. Er betreut das LBZB schon längere Zeit, der Flugtag wurde schon zum zweiten Mal angeboten. „Geld spenden ist leicht, aber wir wollen uns auch selbst einbringen und mit den Blinden zusammen etwas erleben“, erklärte Uwe Mäurer vom Lions Club. Dessen Präsident Detlef Lehner dankte allen, die das ermöglicht haben, vor allem den Mitgliedern des Aero-Clubs.

Das Hildesheimer Vorstandsmitglied Werner-Rüdiger Stehr erzählte viel Wissenswertes über den Flugplatz, über die Flugzeuge, an diesem Tag eine ASK 13 und eine ASK 21, und wie das Segelfliegen überhaupt funktioniert. Dann stand ein Rundgang an, bei dem die Flugzeuge ausgiebig ertastet werden konnten. Und die Gäste wollten alles genau wissen, allen voran Saskia, denn sie will einen Beitrag für die Internetseite des LBZB schreiben. Ob sie denn selbst etwas Angst vor dem Flug habe? Das wies sie mit Entrüstung zurück, aber kurz vor dem Start wurde ihr doch etwas mulmig: „Ich bin ein wenig aufgeregt!“

Die Aufregung nahm ihr aber sofort Hans Nottrodt, einer der Piloten, denn sein herzlicher Händedruck gab Vertrauen. Dann ging es an der Seilwinde nach oben, wo die Segler unterschiedlich lange, bis zu 20 Minuten, kreisten. Beim Start und bei der Landung habe sie „ein Kribbeln im Bauch“ gespürt, sonst habe es nur leicht geschaukelt, „wie auf einem Schiff“, schilderte Saskia ihre Eindrücke ganz sachlich, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Und Christian genügte ein einziges Wort: „Geil!“. Alle waren begeistert, und Bernd Petersen vom Leitungsteam des LBZB musste keine Tränen trocknen, wie er vorher befürchtet hatte. Im Gegenteil, er hörte immer wieder nur einen Wunsch: „Ich möchte noch mal fliegen!“ Und da Petrus bestes Flugwetter beschert hatte, war das auch möglich.


© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung (27.09.2008)