Es ist ein ehrgeiziges Ziel, für das der Journalist Gunter Hartung (67) seit Jahren kämpft: Dem hannoverschen Flugpionier Karl Jatho den Platz in den Geschichtsbüchern zu verschaffen, der ihm gebührt.
Dabei soll nun auch jener Film helfen, den Hartung gestern zusammen mit Oberbürgermeister Stephan Weil (50) vorstellte: 45 Minuten über Jathos motorisierte Luftsprünge im Jahr 1903 und über die Versuche von Hartung und dem Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte, Jathos Fluggerät mehr als 100 Jahre später nachzubauen. Ein Film, der immer wieder Verbindungen zur heutigen Luftfahrt zieht und versucht, Jathos Leistung zu rühmen, ohne die anderen Flugpioniere zu schmähen.
Für Hartung wäre falsche Bescheidenheit da trotz mancher Kontroverse fehl am Platze: "1903 war Jatho den Brüdern Wright vorübergehend ein deutliches Stück voraus." Für Weil ist jedoch noch ein anderer Aspekt an der Geschichte reizvoll: Jatho war schliesslich städtischer Angestellter, bei dem der Stadtdirektor Heinrich Tramm grosszügig über flugversuchsbedingte Fehlzeiten hinwegsah. "Ein schönes Stück Verwaltungsgeschichte", meinte Weil angesichts dieses frühen Falls von Innovationsförderung lächelnd. Ein glückliches Ende kann der Film nicht haben: Es ist Jathos Erben nicht gelungen, mit dem Nachbau auch abzuheben. Dies wollen Hartung und seine Kumpanen jedoch nicht auf Jatho sitzen lassen. Im Frühjahr, so kündigten sie an, wollen sie eine erneute Rekonstruktion des Fluggeräts angehen.
Die DVD "Wir waren die Ersten ... Die Luftfahrt begann in Hannover" ist ab Dezember für 19,90 Euro im Handel erhältlich.
Hannoversche Allgemeine Zeitung (26.11.2009 / HAZ Seite 18 Ressort: HANN)