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Just in Time: Projekt Jatho in der Zielgeraden
Just in Time:
Projekt Jatho in der Zielgeraden


Dienstag, 1. August 2006. Ein Tag so ganz nach dem Geschmack der Sponsoren und Idealisten rund um das "Projekt Jatho".

14 Monate nach Beginn der eigentlichen Rekonstruktionsphase hatte Konstrukteur Harald Lohmann den bereits kompletten, originalgetreu nachgebauten historischen Motordrachen für den Transport zum Hannover-Airport wieder demontiert. Am 31. Juli rollte einer der grossen Lastzüge des in Langenhagen ansässigen Logistik- und Speditionsunternehmens Heinrich Scheffler vor den Hangar am Flugplatz Fürstenwalde, in dem Lohmann das Pionierflugzeug nach alten Plänen und Aufzeichnungen wieder erschaffen hat. Neben der Werkstatt sein beeindruckendes Luftfahrtmuseum mit zahlreichen flugfähigen historischen Modellen und 1:1-Nachbauten, die das Know-How des vielfach ausgezeichneten Konstrukteurs dokumentieren.

Mitarbeiter der Spedition Scheffler versahen den Lastzug auf 13,5 m Länge mit einer Aufsehen erregenden Folie. "Sorry, Mr. Wright - wir waren die Ersten" war da zu lesen, neben Darstellungen des Pionierflugzeugs des Hannoveraners Karl Jatho. Neben der Haus&Grund Bürgerstiftung, dem Hauptsponsor SPARDA-Bank-Stiftung, der Niedersächsischen Lotto-Stiftung, dem Flughafen Hannover, dem Unternehmen Reemtsma sowie dem Arbeitskreis Technik- und Industrie/Geschichte (AK TiG) als Initiator und Betreuer des Projekts hat sich also auch die Spedition Scheffler mit dem von ihr getragenen Transport von Fürstenwalde nach Hannover um die längst überfällige Würdigung des Pioniers verdient gemacht.

Als der Truck am 1. August planmässig um 16 Uhr vor dem General Aviation Terminal (GAT I) am Hannover-Airport ausrollte, hatten sich zum Empfang zahlreiche Ehrengäste und Pressevertreter eingefunden. Darunter MdL Rainer Beckmann als Chef der Haus&Grund Bürgerstiftung, SPARDA-Bankdirektor Klaus Woyna, Staatssekretär Joachim Werren als Aufsichtsrat des Airports und als Vertreter des verreisten Schirmherrn des Projekts, Wirtschaftsminister Walter Hirche, die Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski für die Niedersächsische Lotto-Stiftung und der nahezu komplett vertretene Arbeitskreis Technik- und Industrie/Geschichte. Sie alle würdigten in ihren Reden und Statements für die Presse die Leistung des Flugpioniers Karl Jatho und zugleich die detailgenaue Rekonstruktion des Konstrukteurs Harald Lohmann, als die filigranen Einzelteile des Flugzeugs, gewisser Massen mit Samthandschuhen, in den Hangar 12 des Airports gebracht wurden, wo sie bis Mitte August wieder komplettiert werden.

Mit dieser Konstruktion, dem Antrieb, der Kraftübertragung und der kompletten Funktionalität des Nachbaus ist eine Originaltreue bis ins letzte Detail erreicht worden, die weltweit bei der Rekonstruktion von Flugzeug-Oldtimern unüblich ist. Gewöhnlich bedient man sich neuzeitlicher Serientriebwerke, die mit einer historischen Kulisse verkleidet werden. Das Flugzeug ist von dem Ehepaar Elsa und Harald Lohmann mit all seinen Besonderheiten, auch den damaligen Fehlern und Irrungen, nachempfunden worden. Ganz bewusst dem Auftrag der Haus & Grund Bürgerstiftung und des Arbeitskreises Technik und Industrie/Geschichte folgend, nicht zu schummeln, nichts zu verbessern. Alle, die mit dem Projekt befasst sind, wollen seriös und unangreifbar nachzuweisen versuchen, dass Karl Jatho vor Orville Wright in der Luft war. Dass der hannoversche Pionier den amerikanischen Brüdern mindestens ebenbürtig war damals, im Jahre 1903.

Sorry Mr. Wright - Wir waren die Ersten! Genehmigt und begleitet von den Experten des Luftfahrt-Bundesamtes Braunschweig und ermöglicht vom Airport Hannover soll um den 20. August herum mit den Rollversuchen begonnen werden. Wenn alle Bedingungen stimmen, dann wird der Vogel irgendwann in den nächsten drei bis vier Wochen kurz vom Boden abheben - wie damals Jatho selbst, der mit diesem spektakulären Experiment nun endlich aus dem Schatten der Wrights treten wird.

© unser Clubmitglied Gunter Hartung für den AK TiG, 01. 08. 06