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neuer Startversuch
Jatho II-NachbauProjekt Jatho:
Neuer Startversuch
Historischer Nachbau von 1903 soll im Juli 2008 abheben

Im Herbst 2006 liefen die letzten Versuche, den Nachbau des Motordrachens "Jatho II" in die Luft zu bringen. Wegen einer anhaltenden Schlechtwetterphase und anderer Probleme scheiterten die Bemühungen. Die für einen Start und kurzen Flug erforderliche Anfangsgeschwindigkeit von ca. 45 km/h wurde dabei nur knapp verfehlt. Zu den Problemen gehörte, dass die Vibrationen des nicht gedämpften Motors das Fahrgestell so stark belastet hatten, dass sich erste Risse zeigten. Fahrgestell, Motor und Propeller mussten gründlich überarbeitet werden, und auch der Transmissionsriemen hatte die Torturen nicht überlebt.

Inzwischen ist es auf der Grundlage weiterer historischer Quellen gelungen, den Nachbau des Fluggeräts zu optimieren. Im günstigsten Fall ist nach dem erneuten Zusammenbau des Drachens ein kurzzeitiges Abheben möglich, die Widerholung eines dieser "Luftsprünge" also, wie sie 1903 eben nicht nur Wright, sondern auch Karl Jatho in Hannover gelungen sind. Das Jatho-Team wird das Ereignis in den kommenden Wochen sorgfältig vorbereiten und dann auf optimale Wetterbedingungen warten. Da sich die von "von jetzt auf gleich" ergeben können und es für einen solchen Versuch konzentrierter Ruhe bedarf, bittet die Projektleitung "Jatho" um Verständnis dafür, dass dabei nur die Personen anwesend sein können, die unmittelbar an dem Projekt beteiligt sind. Die Startversuche werden optisch dokumentiert. Fotos, Videos und Print-Informationen stehen unmittelbar im Anschluss den Kolleginnen und Kollegen von Presse und Fernsehen zur Verfügung.

Mit der Konstruktion, dem Antrieb, der Kraftübertragung und der kompletten Funktionalität des Nachbaus ist Originaltreue bis ins letzte Detail erreicht worden, die weltweit bei der Rekonstruktion von Flugzeug-Oldtimern unüblich ist. Das Flugzeug ist von dem Ehepaar Elsa und Harald Lohmann mit all seinen Besonderheiten, auch den damaligen Fehlern und Irrungen, nachempfunden worden; ganz bewusst dem Auftrag der Haus & Grund Bürgerstiftung (Auftraggeber) und des Arbeitskreises Technik und Industrie/Geschichte (Initiator und Projektleitung) folgend, nicht zu schummeln, nichts zu verbessern. Alle, die mit dem Projekt befasst sind, wollen seriös und unangreifbar nachzuweisen versuchen, dass Karl Jatho vor Orville Wright in der Luft war; dass der hannoversche Pionier den amerikanischen Brüdern mindestens ebenbürtig war damals, im Jahre 1903.

Sorry Mr. Wright - Wir waren die Ersten! Seit Juni wird der überarbeitete Motordrachen in einem Hangar des Flughafens Hannover wieder zusammen gebaut. Anschliessend soll erneut mit Testläufen und Rollversuchen begonnen werden. Wenn alle Bedingungen stimmen, dann wird der Drachen vermutlich in der letzten Juli-Woche 2008 kurz vom Boden abheben. Als Erprobungspiloten stehen Volker Lohmeyer und Gunter Hartung zur Verfügung. Beide sind Mitglieder im AKTiG, langjährige aktive Piloten und bilden den technischen Beirat "Projekt Jatho" der H & G-Bürgerstiftung.

Jatho II, Hangar 12, Hannover Airport, Juni 2008 Vorgeschichte
Am 18. August 1903 gelang dem hannoverschen Luftfahrtpionier Karl Jatho mit seinem Motordrachen der erste Luftsprung. Bis November 1903 folgten einige weitere Versuche mit besseren Ergebnissen. Jatho startete damals auf der Vahrenwalder Heide in Hannover von ebener Erde, ohne Hilfsmittel wie Katapulte oder Gefällestrecken. Dennoch sind Wilbur und Orville Wright, die ihren Erstflug am 17. Dezember in Kitty Hawk/North Carolina unternahmen, als erste Motorflieger in die Geschichte eingegangen.

Auf Initiative des hannoverschen Arbeitskreises Technik und Industrie-Geschichte (AK TIG), wurde im August 2003, dem Jubiläumsjahr "100 Jahre Motorflug", mit dem Flughafen Hannover-Langenhagen und 500 geladenen Gästen in einem Hangar eine Geburtstagsparty gefeiert, um das "Projekt Jatho" in der Öffentlichkeit vorzustellen und einen Nachbau des Jatho-Drachens zu initiieren.

Mit dem Engagement der hannoverschen Haus & Grund-Bürgerstiftung und der erfolgreichen Suche nach Sponsoren wie SPARDA-Bank-Stiftung, Niedersächsische Lotto-Stiftung, Airport Hannover und Reemtsma sowie gelang es, das Projekt Jatho zu realisieren. Im Frühsommer 2005 wurde der Rekonstruktionsauftrag an Harald Lohmann erteilt, der auf jahrzehntelange Erfahrungen im Modellbau verweisen konnte und in seiner Werkstatt am Flugplatz Fürstenwalde sofort damit begann, die historischen Fotos und Pläne originalgetreu umzusetzen. Parallel rekonstruierte Thomas Kunath in seinem Motorencenter Fürstenwalde einen Buchet-Einzylinder-Motor aus dem Jahre 1903. Im Sommer 2006 wurde der komplette Motordrachen in Einzelteilen zum Hannover Airport gebracht, wo wenig später die Rollversuche begannen - unter Aufsicht vereidigter Sachverständiger des Luftfahrtbundesamtes Braunschweig (LBA).

Selbst für den Fall, dass der Drachen nicht abhebt, steht für Luftfahrthistoriker fest: Jatho flog vor Wright. Es bleiben Unwägbarkeiten, wie damals, als Jatho seine ersten Versuche unternahm. Auch er hat immer wieder Kleinigkeiten verändert, hier und dort modifiziert, auf optimale Bedingungen gewartet und konnte nicht voraussagen, wann mit einem Start zu rechnen war. Ab Herbst 2008 wird der älteste Motorflieger der Welt in der dann neu eröffneten Ausstellung "Welt der Luftfahrt" auf der Dachterrasse des Flughafens Hannover angemessen an den Pionier der Stadt erinnern.

Stand Ende Juni 2008 www.karl-jatho-projekt.de
Gunter Hartung
Projektleitung Tel.: 0171 - 5237385

Technische Daten
Typ: Jatho II Bj. September 1903
(Jatho I war ein Dreidecker, mit dem der erste kurze Luftsprung am 18. August 1903 gelang. Bis zum 11. September 03 hatte Jatho den Drachen zu einem "Zweiflächer" umgebaut)
Bez.: Doppeldecker (Zweiflächer)
Fläche: 36 Quadratmeter
Leergewicht: 272 kg
Motor: Buchet 1-Zylinder mit 12 PS Leistung
(Luftschiffmotor)
Grösste Spannweite (unterer Flügel): 8 m
Grösste Flügeltiefe: 3,6 m
Bauweise: Eschengerippe, bespannt mit Ballonstoff
Fahrgestell: Stahlrohr mit 5 Rädern
Propeller: Druckpropeller (Pusher), Aluminium/Stahl
Erstflüge: September/Oktober 1903 zwischen 30 und 50 m. Im November 1903 schwebte Jatho in mehreren Flügen ca. 60 Meter weit und bis zu dreieinhalb Meter hoch. Hauptproblem: schwacher Motor.

Gunter Hartung

(Arbeitskreis Technik und Industrie/Geschichte (AK TIG)
Technischer Beirat "Projekt Jatho" der Haus & Grund - Bürgerstiftung, Mitglied AEROCLUB Hildesheim)