Homepage
Artikel

Die Presse berichtete
über den Aero Club


Technisches:

aus dem Clubleben

das Jatho Projekt
Bildergalerie
Refresher
Briefing
Debriefing
Events / Termine
Mitgliederbereich
Meine Daten
Flugschule
Flugzeuge
Download
Kontakt
 
Sunrise / Sunset
EDVM 06.09.2010
SR: 06:39 Uhr
SS: 19:58 Uhr

  PDA-Login
(Palm, Clié, IPaq, ...)







 
Der zweite Erstflug
Beweisfindung: Hob Jatho vor Wright ab?

Jatho ModellBis etwa Mitte 2006 wird der legendäre Motordrachen des Hannoveraners Karl Jatho wieder Gestalt annehmen. Auf dem früheren Fliegerhorst der NVA und der Sowjets in Fürstenwalde bei Berlin hat Harald Lohmann damit begonnen, das filigrane Fluggerät der ersten Stunde zu rekonstruieren. Dem Autodidakten Lohmann ist vor einigen Jahren in Las Vegas der Titel "Weltmeister im Flugzeug-Modellbau" verliehen worden. Am heute zivil genutzten Flugplatz Fürstenwalde ist in einem Museum eine kleine aber attraktive Auswahl dessen zu sehen, was er in fünf Jahrzehnten geschaffen hat. Als "Sahnestück" gilt in der Fachwelt der Nachbau einer "Etrich-Taube" aus dem Jahr 1913, die gerade zu ihrem Erstflug abgehoben ist. Mit dem "Projekt Jatho" stellt sich Lohmann nun einer neuen Herausforderung. Unser Vereinsmitglied Gunter Hartung hat lange für das Projekt gekämpft und getrommelt. Nun ist die Finanzierung der Rekonstruktion des Jatho-Flugdrachens gesichert.

Jatho wird fliegen
Finanzierung des Nachbaus gesichert

Vier Monate vor den Gebrüdern Orville und Wilbur Wright, die am 17. Dezember 1903 in den Sanddünen von Kitty Hawk in den USA an den Start gingen, gelang dem hannoverschen Magistratsbeamten Karl Jatho auf der Vahrenwalder Heide bei Hannover der erste Luftsprung. In den Wochen darauf folgten weitere Versuche. Im November 1903, immer noch einen Monat vor dem angeblich ersten Motorflug der Geschichte, legte Jatho mit seinem deutlich verbesserten Motordrachen Nr. 2 eine Distanz von 60 m zurück.

Zeitgenössische Fotografien und Pläne sind erhalten geblieben. Finanziert von Sponsoren der Bürgerstiftung des hannoverschen Vereins "HAUS & GRUND sowie mit Unterstützung des Historischen Museums Hannover und des Arbeitskreises "Technik und Industrie/Geschichte in der Region Hannover" hat der Flugzeugkonstrukteur Harald Lohmann damit begonnen, Jatho`s Motordrachen Nr. 2 originalgetreu nachzubauen.

Im Herbst 2006 soll am Flughafen Hannover versucht werden, die filigrane und mit einem 12 PS-Buchet-Einzylinder schwach motorisierte Konstruktion in die Luft zu bringen. Da kein Originalmotor mehr aufzutreiben war, gilt es als Herausforderung, das historische Triebwerk nachzubauen. Es geht den Initiatoren und Finanziers des Projekts um nichts Geringeres als die Ehre - die Ehre und späte Würdigung des hannoverschen Flugpioniers Karl Jatho! Die Sponsoren stellen 150000 EURO für die detailgetreue Rekonstruktion des Zweideckers zur Verfügung.

Bau einer "Kathedrale"

Harald LohmannDer mit der Rekonstruktionsaufgabe betraute Flugzeugkonstrukteur, Harald Lohmann, sagt: "Ich baue diesmal kein Flugzeug, ich baue ein Kunstwerk, eine Kathedrale!" Ohne Zweifel gehört Karl Jatho zu der kleinen Gruppe der Luftfahrtpioniere. Zwar hat er manche Erfahrungen anderer wie z.B. die von Otto Lilienthal in zahllosen Versuchen gewonnenen Erkenntnisse nicht berücksichtigt; dennoch ist es Jatho - trotz einiger konstruktiver Merkwürdigkeiten seines Flugapparats - seit dem 18. August 1903 ein paar Mal gelungen, sich vom Boden zu lösen. Ihn international im Zusammenhang mit dem Thema "Erster Motorflug" zu ignorieren und ausschliesslich die Brüder Wright zu erwähnen hat nicht nur hannoversche Lokalpatrioten auf den Plan gerufen.

Der Arbeitskreis Technik u- Industrie/Geschichte in der Region Hannover (AK-TIG) hat sich der Aufgabe verschrieben, an die Pioniere des Landes zu erinnern. Jatho gehört zu ihnen wie Gottfried Wilhelm Leibnitz und Emil Berliner, wie Konrad Bunsen und Werner von Siemens, wie Heinrich Göbel, Carl Friedrich Gauss, Walter Bruch und zahlreiche andere Erfinder und Vordenker. Mit dem Leitgedanken "Innovation aus Tradition" soll vor allem die Jugend animiert werden, sich dieser Wegbereiter würdig zu erweisen und selbstbewusst die Forschung voran zu treiben.

In dem Land, in dem Karl Jatho den Zweiflern und Bedenkenträgern trotzte und seine Pionierarbeit leistete, geniesst heute die Luftfahrtindustrie einen hohen Stellenwert. Ein respektabler Anteil der "Hardware" des erfolgreichen europäischen Airbus wird in den norddeutschen Produktionsstätten der EADS gebaut, auch Teile des Superjumbos A380. Jathos Erben erobern den Weltmarkt.

Hürdenlauf zum Ziel

Volker Lohmann in der 'Taube'Seit Beginn des Jahres 2002 versucht der Arbeitskreis Technik und Industrie/Geschichte (AK TIG), Überzeugungsarbeit zu leisten mit dem Ziel, den hannoverschen Motordrachen zu rekonstruieren. Zeitgleich suchte Harald Lohmann aus Neustadt am Rübenberge, Weltmeister im Flugzeug-Modellbau und Konstrukteur historischer Flugzeuge wie der legendären Etrich-Taube, eine Bleibe für sein Museum und seine zukünftigen Aktivitäten. Da sich kein niedersächsischer Flugplatzbetreiber fand, der Lohmann zu einigermassen erträglichen Bedingungen einen Hangar zur Verfügung stellen wollte, entschied sich der engagierte Rentner, ein Angebot aus Fürstenwalde östlich von Berlin anzunehmen. Die Geschäftsführung des zu DDR-Zeiten von der NVA und den Sowjets militärisch genutzten Platzes freut sich heute über das rege öffentliche Interesse an Harald Lohmann und seinen preisgekrönten Konstruktionen. Besuchergruppen aus aller Welt geben sich die Klinke in die Hand.

Hier also soll die Rekonstruktion des ersten Motorflugzeugs entstehen, bevor es im Herbst 2006 nach Fertigstellung per Tieflader die Reise nach Hannover antreten wird. Roll- und Flugversuche sollen dann am Flughafen Hannover durchgeführt werden: vor grossem Publikum und eben dem Rahmen, den die damaligen Zeitgenossen dem "Spinner Karl Jatho" verwehrt hatten.

Zur selben Zeit, als - 100 Jahre später - Harald Lohmann in Niedersachsen überall abgewiesen wurde, prallten in Hannover auch die Mitglieder des Arbeitskreises Technik- und Industrie/Geschichte gegen eine Mauer von Desinteresse und Ignoranz. Der Versuch, den Rat der Stadt 101 Jahre nach dem hannoverschen Erstflug eines Motorflugzeugs zu animieren, den Flughafen auf den Namen "Karl Jatho Aiport" umzubenennen, sich wenigstens die Option für einen späteren Zeitpunkt offen zu halten, scheiterte. Die Stadtverwaltung sah sich weder finanziell, was noch zu verstehen ist, noch ideell, was niemand begreifen kann, in der Lage, eine Pro-Jatho Aktion zu unterstützen und ihren Stellenwert für das Image der Stadt, für den Standort "Region Hannover", zu erkennen. Der geeignete Zeitpunkt, national und vor allem international mit Jatho und seinem Erstflug zu punkten, war spätestens im Dezember 2003 verstrichen, als - unwidersprochen - weltweit und auch in Deutschland, ausschliesslich an die Gebrüder Wright erinnert wurde. "100 Jahre Motorflug - ein amerikanisches Ereignis".

Als sich auch im hannoverschen AK TIG der Frust eingeschlichen hatte und die ersten meinten, man müsse sich nach der Enttäuschung nun anderen Themen zuwenden, meldete sich Rainer Beckmann, Landtagsabgeordneter und Vorstandsvorsitzender von Haus & Grund, beim Arbeitskreis mit der Frage: "Wie weit sind Sie denn mit dem Bau des Jatho-Drachens? Brauchen Sie noch Geld?" Es dauerte danach nur noch wenige Wochen, bis die Bürgerstiftung mit den vom AK TIG gelieferten Argumenten ausreichend Sponsoren überzeugen konnte, um die erforderliche Summe garantieren zu können. Inzwischen ist der entsprechende Werkvertrag von Bürgerstiftung und Harald Lohmann unterschrieben. Mit der Rekonstruktion des Motordrachens "JATHO 2" - mit dem Bau dieses Kunstwerks der Luftfahrtgeschichte, dieser "Kathedrale", konnte endlich begonnen werden (Juni 2005). Haus & Grund/Bürgerstiftung und die Sponsoren haben sich mit ihrem Engagement für das "Projekt Jatho" nicht zuletzt auch um den Standort Region Hannover verdient gemacht. Sie ermöglichen eine Aktion, deren Notwendigkeit und Imagewirkung von den "Öffentlichkeitsarbeitern" der Stadt nicht erkannt wurde

Gunter Hartung

(Arbeitskreis Technik und Industrie/Geschichte (AK TIG) Technischer Beirat "Projekt Jatho" der Haus & Grund - Bürgerstiftung, Mitglied AEROCLUB Hildesheim)