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Blinde und mehrfachbehinderte junge Menschen heben ab
Lions
 
(v.l.): Lions-Präsident Uwe Mäurer, AeroClub-Vorstand Werner Stehr, Fluglehrer Matthias Heine und 
Ellen Middendorp, LBZB, bei der  Begrüßungsansprache
(v.l.): Lions-Präsident Uwe Mäurer, AeroClub-Vorstand Werner Stehr, Fluglehrer Matthias Heine und Ellen Middendorp, LBZB, bei der Begrüßungsansprache

(v.l.): Matthias Heine, Fritz Hornbach, Werner Stehr, Wolfgang Michael Roth, Bernd Petersen beim 
Flugbriefing (Foto: Mäurer, P1000919.jpg)
(v.l.): Matthias Heine, Fritz Hornbach, Werner Stehr, Wolfgang Michael Roth, Bernd Petersen beim Flugbriefing (Foto: Mäurer, P1000919.jpg)

  Flugtag des Landesblindenzentrums Hannover beim AeroClub Hildesheim - Eine Activity des Lions Clubs Hannover-Tiergarten

(Hildesheim, 23. Juni 2007) 16 junge Menschen, 11 bis 24 Jahre alt, alle blind, stark seh- oder mehrfachbehindert, gingen am letzten Samstag in die Luft. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Initiative des Lions Club Hannover-Tiergarten waren die Schülerinnen und Schüler sowie die Auszubildenden des hannoverschen Landesbildungszentrums für Blinde (LBZB) Gäste des AeroClub Hildesheim-Hannover e.V. auf dem Hildesheimer Flugplatz.

Dunkle Wolken am Himmel, Regenschauer und eine Gewittervorhersage des Wetterdienstes für den Nachmittag. Noch am Vormittag sah es gar nicht gut aus, für diesen langfristig ge- planten Activity-Event der hannoverschen Tiergarten-Lions. Besorgte Telefonate, Rätselraten und skeptische Blicke in den Himmel. Um halb elf dann die Entscheidung: Go! Segelfluglehrer Matthias Heine und Lionspräsident Uwe Mäurer, die beiden Initiatoren des Segelflugtages, entschieden sich dafür, das Risiko einzugehen und die Gäste anreisen zu lassen. Telefonisch wurde Bernd Petersen informiert, der Schulleiter des LBZB, und um 12:00 Uhr trafen sich dann alle auf der Terrasse des AeroClub-Vereinsheimes.

Werner Stehr, AeroClub-Vorstandsmitglied, begrüßte die bunte Truppe aus Jugendlichen, Eltern, Geschwistern, Lehrern, Erziehern und Lionsfreunden. Eine kurze Einweisung in die Historie des (Segel-) Fliegens und in die Geschichte des Hildesheimer Flugplatzes mit seinem AeroClub schloss sich an. Und natürlich gab es einige grundsätzliche Worte zur Sicherheit und Disziplin auf dem Flugfeld.

Dann konnte es endlich losgehen. Der Versuch, zwei etwa gleichgroße Gruppen zu bilden, um Wartezeiten sinnvoll zu nutzen, scheiterte bereits im Ansatz. Jeder wollte bei der ersten fliegenden Gruppe sein, und so stürmten alle auf Matthias Heine zu, der auf dem Flugfeld bereits mit seiner ASK 13, einem doppelsitzigen Schulflugzeug mit dem Kennzeichen D-2979 (kurz: Delta 79), auf die erste Gruppe wartete. Zunächst wurden die Umrisse des Segelflugzeuges ertastet, die Profilierung der Tragflächen erfühlt und an die Plexiglaskanzel geklopft. Matthias Heine erläuterte Materialmix und Konstruktionsprinzipien dieses Segelflieger-Typs. Es handelt sich um ein Segelflugzeug, dessen Rumpf aus mit Stoff bespanntem Stahlrohr besteht. Die Tragflächen mit einer Spannweite von 16 Metern sind aus Holz. Das maximale Leergewicht beträgt 290 Kg, mit maximal 480 Kg kann sich das Flugzeug in die Lüfte erheben. Werner Stehr erklärte anhand des Tragflächenprofils, warum Flugzeuge überhaupt fliegen können. Alle mussten danach Hand anlegen, um den Segelflieger über die asphaltierte Start- und Landebahn der Motorflieger auf die Graspiste der Segelflieger zu bugsieren, denn Segelfliegen ist Teamarbeit. Im Gegensatz zu den motorisierten Pilotenkollegen brauchen Segelflieger immer ein Team von mehreren Helfern, um abheben zu können.

Das Team um Matthias Heine und Werner Stehr hatte bereits alles bestens vorbereitet. Die Starts sollten mit einer Seilwinde erfolgen, und so stand das Windenfahrzeug bereits in seiner Ausgangsposition. Das ca. 1000 m lange Stahlseil war schon mit der Winde verbunden, das andere Ende befand sich am Startplatz und auch das mobile Starterhaus war bereits zum Startplatz verbracht und an Strom- und Telefonleitungen angeschlossen worden. Vom Starterhaus aus wird der Segelflugbetrieb gesteuert und koordiniert, von hier aus erfolgen die Startfreigaben und die Absprachen mit dem Flugplatztower, der motorgetriebenen Seilwinde und den startenden und landenden Motorfliegern.

Matthias Heine (ganz rechts) erläutert den Schülern und Auszubildenden die Funktion und den Aufbau 
der Tragflächen (Foto: Mäurer, P1000940.jpg)
Matthias Heine (ganz rechts) erläutert den Schülern und Auszubildenden die Funktion und den Aufbau der Tragflächen (Foto: Mäurer, P1000940.jpg)

„First Take Off“ – Die ASK 13 „Delta 79“ mit Matthias Heine am Steuerknüppel bei ihrem ersten 
Start (Foto: Mäurer, P1010052.jpg)
„First Take Off“ – Die ASK 13 „Delta 79“ mit Matthias Heine am Steuerknüppel bei ihrem ersten Start (Foto: Mäurer, P1010052.jpg)

 Faszinierte Zuschauer beim ersten Start mit der Seilwinde (Foto: Mäurer, P1010008.jpg)
Faszinierte Zuschauer beim ersten Start mit der Seilwinde (Foto: Mäurer, P1010008.jpg)

  Gegen 13:00 Uhr war es dann endlich soweit, der erste Start stand unmittelbar bevor. Nadine Czempisz, die mit 11 Jahren jüngste im Bunde, sollte die erste sein. Liebevoll wurde sie auf ihren Erstflug vorbereitet. Den harten Schalensitz des Fliegers bekam sie mit einem Kissen aufgepolstert, den Fallschirm zur Sicherheit auf den Rücken geschnallt. Dann wurde sie von ihrem Vater sowie einem Helfer des AeroClubs in die Maschine gesetzt und mit den Schultergurten sicher angeschnallt. Fluglehrer Heine ließ es sich nicht nehmen, den ersten Flug selbst zu pilotieren.

Ready for take off! "Bahn zwo fünf, Wind eins sechs in Böen zwo vier, Start frei nach eigenem Ermessen!² Nachdem Pilot Heine mit dem ausgestreckten Daumen das OK-Signal an den Startkoordinator gegeben hatte, der Tower die Startfreigabe erteilt und der Seilwinden- führer das Startkommando erhalten hatte, ging es los. "Start frei! - Seil straff! - Frei! - Schneller! - Seil fällt!" hörte man aus dem Starterhäuschen, während alle mit offenen Augen und Mündern dem sich fast senkrecht in die Luft stellenden Segelflugzeug hinterher schauten. Erst als Matthias Heine in etwa 450 m Flughöhe das Stahlseil ausklinkte und in den Segelflug überging, entspannten sich die Gesichtszüge der Zuschauer und auch Nadines Eltern wurden wieder ruhiger. Zunächst in südwestliche Richtung fliegend entzog sich die ASK 13 allmählich den Blicken der Zurückgebliebenen, während Matthias Heine und Nadine in ca. 400 m Höhe eine große Platzrunde in Richtung Norden, später Osten, flogen. über Giesen und Hasede ging der Flug und weiter über den Zweigkanal Hildesheim. Manchmal war es etwas holperig, denn das Wetter war wechselhaft und die Winde zerrten an dem leichten Flugzeug. Nach etwa 7 Minuten überflogen Heine und Nadine die Autobahn A7 in etwa 200 m Höhe ehe Heine dann das Landemanöver einleitete und das Flugzeug sich aus nordwestlicher Richtung wieder dem Flugplatz näherte. Schemenhaft für die Wartenden am Boden, dann langsam größer werdend, tauchte das weiße Flugzeug am blauen Horizont auf, gut konnte man seinen Sinkflug beobachten. In geringer Höhe, fast ein wenig knapp, wurde der Zaun des Flugplatzes überflogen, Sekunden später setzte Heine das Segelflugzeug sanft auf die Grasnarbe auf und brachte es punktgenau vor dem mobilen Starterhaus zum Stehen. Kabine auf, Gurte lösen, Ausstieghilfe durch das Bodenpersonal, und eine glückliche Nadine konnte von ihren zufriedenen Eltern in die Arme genommen werden. Ein gelungener Premierenflug.

Weitere Windenstarts mit Matthias Heine und Werner Stehr am Steuerknüppel, aber auch mit anderen Pilotinnen und Piloten des AeroClubs, schlossen sich an und nach und nach verloren auch die zurückhaltenderen Gäste ihre anfängliche Scheu vorm Fliegen. Bis auf einen kurzen Regenschauer, der für eine willkommene Unterbrechung bei Kaffee und Kuchen sorgte, wurde das Wetter kontinuierlich besser, so dass am späteren Nachmittag strahlender Sonnenschein bei sommerblauem Himmel herrschte. Allerbestes Flugwetter und allerbeste Stimmung bei allen Beteiligten. Eine schöne Bestätigung für "Wetterfrosch" Matthias Heine, dessen Wetterprognose am Vormittag ausschlaggebend für die Durchführung des Flugtages bei unklarer Wetterlage war.

Nach 13 Starts versagte plötzlich die Seilwinde ihren Dienst und konnte auch nicht mehr repariert werden. Die Zylinderkopfdichtung, so die erste Analyse, war defekt, ölverlust stellte sich ein und an einen Weiterbetrieb war nicht zu denken. Noch war es allerdings zu früh um den Flugtag zu beenden, und so entschieden sich die Verantwortlichen von Aero- und Lions- Club, noch einige Starts durch den so genannten "F-Schlepp" durchzuführen. Hierbei wird das Segelflugzeug an einem etwa 50 Meter langen Seil von einem Motorflugzeug auf die ge- wünschte Höhe gebracht. Es dauerte einige Minuten, dann waren Schleppflugzeug und ein Pilot mit Schleppbefähigung organisiert. Ein Remus G3 Schul- und Schleppflugzeug der ultraleichten Klasse, mit 100 PS Motorleistung und einer Spannweite von 9,80 Metern, hatte nun

(v.l.) Bernd Petersen, Wolf Großwendt, Uwe Mäurer und Ellen Middendorp, 19 (Foto: Roth, 
DSCN1248.jpg)
(v.l.) Bernd Petersen, Wolf Großwendt, Uwe Mäurer und Ellen Middendorp, 19 (Foto: Roth, DSCN1248.jpg)

Ellen Middendorp, 19,  mit Dirk Timmermann nach ihrem zweiten Flug (Foto: Mäurer, P1010519.jpg)
Ellen Middendorp, 19, mit Dirk Timmermann nach ihrem zweiten Flug (Foto: Mäurer, P1010519.jpg)

  die Startarbeit zu verrichten. Der Segelflugbetrieb wurde, bei weiterlaufendem Motorflugbetrieb, von der Gras- auf die Asphaltbahn verlegt und weiter ging es mit dem Segelfliegen.

Gegen 18:00 Uhr, nach insgesamt 18 Starts und Landungen, verabschiedete AeroClub- Vorstand Werner Stehr seine Gäste vom LBZB und vom Lions Club Hannover-Tiergarten. Er zog ein sehr positives Resume, bedankte sich bei allen Gästen, auch für deren ausgesprochen diszipliniertes Verhalten auf dem Flugfeld, und lud dazu ein, den Flugtag gelegentlich zu wiederholen. Uwe Mäurer für den Lions Club Hannover-Tiergarten und Bernd Petersen für das LBZB bedankten sich bei den Hildesheimer Segelfliegern für einen besonders schönen, erlebnisreichen und zugleich informativen Flugtag. Ein besonders herzliches Dankeschön ging an Fluglehrer Matthias Heine, der für den AeroClub die Veranstaltung organisierte, den Flugbetrieb leitete und zugleich die meisten Flüge pilotierte. Die abschließenden Worte des Dankes kam von Ellen Middendorp, 19 und Christoph Browarzik, 20, beide vom LBZB, die sich bei allen Beteiligten für einen tollen Nachmittag, neue Erfahrungen und wunderschöne Erlebnisse in Hildesheim, in der Luft und am Boden, bedankten.

Lions Club Hannover-Tiergarten und LBZB arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Aktivitäten stehen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die das LBZB als Schüler, Internatsschüler und als Auszubildende besuchen. Neben sinnvollen finanziellen Engagements kommt es den Lions vom Tiergarten-Club vor allem auf gemeinsame Erlebnisse an, auf gemeinsame Aktionen die die Kinder und Jugendlichen unmittelbar erreichen. Tradition haben die gemeinsamen Tandemfahrten, zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst. Und Tradition haben auch die gemeinsamen Schwimmbadbesuche im AquaLaatzium. Neu aufgenommen ins Activity-Programm dieses Jahres wurde ein gemeinsamer Besuch in der hannoverschen Campo-Aktiv-Arena.Wer je erlebt hat, wie viel Spaß und Freude alle Beteiligten an diesen Aktiv-Events haben, er würde beim nächsten Mal gerne dabei sein. Der Segelflugtag beim AeroClub Hildesheim-Hannover war vorsommerlicher Höhepunkt der gemeinsamen Aktivitäten.

Uwe Mäurer

Kontakt:
Uwe Mäurer
Lions Club Hannover-Tiergarten
Am Leinkamp 1d
30880 Laatzen
+49 177 7392892
uwe@maeurer.info

Weiterführende Links:
http://www.lbzb.de
http://www.ac-hildesheim.de
http://www.lions.de
http://www.flugplatz-hildesheim.de