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Der Flug des Phönix
Neustart aus
der Asche
(Kinostart Deutschland Juli 2005)
Kommt nicht jeder Versuch, ein gelungenes Werk der Filmgeschichte als Remake zu produzieren, einem Sakrileg gleich? Ist es nicht vermessen und überflüssig, die brillante Vorlage des Klassikers "Der Flug des Phönix", runderneuert mit Unterstützung aus der Trickkiste des fortgeschrittenen Computerzeitalters, zu präsentieren? Ab Juni 2005 ist der Reisser in den deutschen Kinos zu sehen. Ein "äktschen-Film" mit betäubenden Spezialeffekten, stellenweise zugedröhnt mit musikalischer Beliebigkeit. Ein in nervschmerzende Sekundenschnitte zerhackter Flugzeugabsturz mit fragwürdigem Höhepunkt: der Dreiblatt-Propeller des Backbordtriebwerks reisst ab, quirlt plötzlich vor dem Motor im Nichts, wandert dann nach rechts und schneidet wie das Blatt einer Kreissäge tief in den Rumpf des Transporters. Beeindruckender Unsinn!
Ein Film aus der Asche des Originals. Trotzdem sehenswert? Aber ja! Obgleich vermutlich eine Dokumentation der Dreharbeiten für Unsereinen spannender als der Film gewesen wäre. Z.B. die Suche nach einem geeigneten zweimotorigen Flugzeug, aus dessen Wrack sich nach einem Absturz ein wenigstens scheinbar flugfähiger "Phönix" konstruieren liess. Die Wahl fiel auf die Fairchild C-119 Packet "Flying Boxcar". Die Filmproduzenten entdeckten drei der Veteranen auf einem Flugzeugfriedhof bei Tucson/Arizona, eine in Nairobi. Sie alle wurden zum Drehort in der Wüste Namibias geschafft, eine fünfte quälte sich auf eigenen Flügeln von Greybull/Wyoming nach Windhoek.
Die Konstruktion eines flugfähigen einmotorigen "Phönix" war nicht erforderlich. Es genügte, einen Ausleger der C-119 zum Notrumpf zu erklären, optisch einigermassen stimmig mit Flügeln zu versehen und mit einem Spezialschlepper auf 70 km/h zu beschleunigen. Den spektakulären Rest besorgten die Computerfreaks im Trickstudio.
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Der alte "Phönix"
(Kinostart 1965)
"Unnachahmlich", haben wir damals gesagt. Das leicht irre Zittern der vom Sonnenbrand zerfetzten Lippen, als Hardy Krüger in der Rolle des Heinrich Dorfmann den arroganten deutschen Besserwisser gab und es tatsächlich besser wusste als die anderen. "Der Flug des Phönix" geniesst Kultstatus, seit der Film vor vier Jahrzehnten in die Kinos kam. Die Fangemeinde rund um das Original wird mit dem Remake vermutlich nicht zu beeindrucken sein.
Der Klassiker setzt auf Charaktere mit unterschiedlichen Macken, die unter Stress und Todesangst Konflikte produzieren. Leinwandgrössen wie der Ex-Luftwaffengeneral James Stewart und der deutsche Schauspieler, Afrikafan und leidenschaftliche Pilot Hardy Krüger, vermitteln Glaubwürdigkeit. An keiner Stelle wird gegen das Prinzip der Logik, der Machbarkeit verstossen. Mit "Der Flug des Phönix" ist Regisseur Robert Aldrich 1965 ein durch und durch realistischer Abenteuerfilm gelungen. Obwohl (oder besser weil?) damals niemand etwas mit dem Begriff "Computeranimation" anzufangen wusste.
Der Erfolg hat drei Väter: Gutes Drehbuch, solides Handwerk, penible technische Beratung. Die Produzenten fanden den richtigen Mann: Paul Mantz, knapp 62jähriger Pilot mit 25000 Flugstunden, Konstrukteur, Restaurator, Oldtimerfreak. Der machte sich daran, aus Teilen verschiedener Flugzeuge ein halbwegs lufttüchtiges Vehikel zusammen zu bauen. Als Rumpf diente der linke Ausleger einer Fairchild C-82 "Flying Boxcar", dem Vorläufer der C-119.
Die C-82 ist von 1944 bis 1948 gebaut worden, die C-119 bis 1953. Mantz nahm den 9-Zylinder Sternmotor eines North American T-6 Trainers, den Flügel einer T-11 (Baureihe Beech 18) sowie Komponenten einer alten, zweimotorigen Beech C-45 und ging mit dem Hybridflugzeug an den Start. Als die Szene längst im Kasten war, wiederholte Mantz die Übung zur Sicherheit. Es war der 8. Juli 1965, irgendwo in der Nähe von Yuma in der Wüste von Arizona. Mantz passierte die Kameras im Tiefstflug und streifte mit dem linken Fahrwerk offenbar einen alten, knochentrockenen Präriehundbau. Der schlanke Rumpf knickte ein, der Dreiblattpropeller hackte in den Boden. Paul Mantz, fachlicher Berater des Films und Stuntman für James Stewart, starb in den Trümmern des von ihm konstruierten "Phönix".
Gunter Hartung
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