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Achtung Motorflieger rund um Bremen: Segelfluggelände umfliegen!
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(Luftsport 3/2002) Bei uns in Lemwerder erleben wir diese Situation einige Male im
Jahr:
Eines unserer Segelflugzeuge ist gerade mitten im Windenstart. Im gleichen Moment taucht ein Motorflugzeug in niedriger Höhe auf, das unbeirrt direkt auf unseren Platz zuhält, um ihn mittig zu überqueren. Ob der Motorflieger unseren Windenstart gesehen hat, wissen wir erst, wenn wir eine deutliche Ausweichbewegung beobachten können. In anderen Fällen ist offenkundig, dass der Motorflieger überhaupt nicht realisiert, was ausserhalb seines Flugzeuges vorgeht. Hier war es dann nicht die fliegerische Weitsicht des Piloten, sondern allein dessen Schutzengel, der das Motorflugzeug an einem Unfall vorbei gesteuert hat.
Mid-field-crossing:
Trügerische Sicherheit
Flugplätze in niedriger Höhe zu überfliegen, ist immer ein Risiko. Zu leicht können Maschinen in der Platzrunde übersehen werden. Wer viele Stunden im Flugbuch hat, weiß das und fliegt mit deutlichem Seitenabstand und außerhalb der Platzrunde daran vorbei. Verbreitet scheint aber die Gepflogenheit, Flugplätze genau über der Mitte der Piste zu überqueren. Direkt über der Mitte des Platzes sei man frei vom an- und abfliegenden Verkehr und über der Platzrundenhöhe hinaus sei das sowieso alles kein Problem, da träfe man ia niemanden. So die vermeintlichen Expertentipps.
Es sei dahingestellt, ob ein mittiger Überflug selbst bei Plätzen mit reinem Motorflugbetrieb tatsächlich immer so gefahrlos ist, wie es an der Biertheke verkündet wird. (Man denke an Notlandeübungen oder abgesetzte Fallschirmspringer). Wird an dem betreffenden Platz aber Segelflug mit Windenstarts betrieben, ist ein direktes Überfliegender Platzmitte mit Sicherheit eine klare Gefahr!
Windenstarts erfolgen immer über der Platzmitte
Warum ist das so gefährlich? Weil ein Windenstart ein Segelflugzeug praktisch "aus dem Stand" auf Ausklinkhöhen zwischen 1.000 und 1.700 ft GND bringt. Zwischen den beiden Flugplatzenden steigen die Segelflugzeuge in einem Steigwinkel von ca. 45° auf diese Höhen. Das Windenschleppseil ist ein Stahlseil von ca. 5 mm Durchmesser und wird über der Winde, also an einem der beiden Flugplatzenden ausgeklinkt. Von einem Bremsfallschirm abgebremst, wird das Seil dann vom Windenfahrer eingezogen. Der Schlepp des Segelflugzeuges dauert etwa eine Minute, das Einziehen des Seils noch einmal eine halbe Minute. Von betriebsamen Vereinen werden an einem Wochenendtag zwischen 50 - 100 Windenstarts durchgeführt. Das bedeutet im Klartext Etwa 50 - 100 mal am Tag steht ein 5 mm starkes Stahlseil für rund eineinhalb Minuten bis zu 1.700 ft hoch mitten über den FlugpIätzen mit Segelflug-Winden-Betrieb.
1.700 ft. hohe Bandsäge
 Der Flug in ein Windenseil führt in jedem Fall zu schweren oder schwersten Beschädigungen am Flugzeug. Das Seil wirkt wie ein stehendes Hindernis und sägt sich oder durchsägt - in Sekundenschnelle alles, was ihm in die Quere kommt. Berichte über vollständig abgetrennte Propellerblätter oder Außenflügel einschließlich Querruder und durchtrennte Tragflächenstreben sind keine Schauermärchen, sondern leider nur allzu wahr. Der Verfasser selbst war Zeuge, wie sich vor einigen Jahren ein Windenseil durch die Torsionsnase eines Kunststoffflugzeuges bis zum Holm "durchbiss" und vom Holm abgewiesen in Richtung Flächenende weiterwanderte. Wer ein solchermaßen verunstaltetes Flugzeug noch kontrolliert landen kann, darf von Glück sprechen. Einige Piloten und deren Fluggäste mussten ihre Unaufmerksamkeit mit ihrem Leben bezahlen. Ein Windenseil ist eine tödliche Gefahr. Bei einer Kollision mit einem Flugzeug gewinnt es immer.
Unfallvermeidung durch den Segelflieger
Was kann der Segelflieger zur Gefahrenabwehr machen? Gar nichts. Wie beschrieben, startet der Segelflieger mit einem Steigwinkel von etwa 45°. Motorflugzeuge, die unterhalb seiner Höhe auf ihn zufliegen, kann er aus seinem Blickwinkel gar nicht sehen. Selbst wenn der Windenfahrer oder die Fliegerfreunde an der Startstelle die Gefährdung des änfliegenden Motorflugzeuges erkennen und den Schlepp sofort unterbrechen würden, ist die Gefahr damit noch nicht sofort gebannt. Das Windenseil befindet sich nämlich noch eine Zeit lang in der Luft, bevor es vollständig am Boden ist. So lange bleibt es weiter ein Risiko. Der geschleppte Segelflieger und seine Vereinskameraden am Boden können ihrerseits also so gut wie nichts unternehmen, wenn sich eine Kollisionsgefähr abzeichnet.
© Luftsport 3/2002
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