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EDVM 08.09.2010
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Auswirkung von Treibstoffen und Ölen im Boden

Treibstoffe und Öle - zusammengefaßt unter dem Begriff Mineralöle - gelten als wassergefährlich im Sinne der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die nähere Bestimmung wassergefährl icher Stoffe und ihre Einstufung entsprechend ihrer Gefährlichkeit" (VwVwS vom 09.03.1990, veröffentlicht im GMBl 1990 Nr. 8, S. 114).

Mineralöle stellen Gemische verschiedener Komponenten dar, die in unterschiedlichem Maße wasserlösl ich sind. Die Ausbreitungsmöglichkeit im Boden wird durch die hydrogeologischen Gegebenheiten des jeweiligen Standortes (Lockergestein, Festgestein) wesentlich beeinflußt. Die Tatsache, daß Mineralöle meist wesentlich leichter sind als Wasser, beeinflußt die vertikale Ölausbreitung im Bereich der Grenze zwischen der wasserungesättigten (Sickerwasserzone) und der wassergesättigten Bodenzone (Grundwasserzone).

Leicht siedende Mineralölprodukte wie z.B. Vergaserkraftstoff verdampfen im Boden relativ rasch. In einem solchen Falle breiten sich auch die verdampften Anteile des Kohlenwasserstoffgemisches als Gasphase in der ungesättigten Zone des Bodens aus. Da Kohlenwasserstoffe jedoch schwerer sind als Bodenluft, werden sie sich vorwiegend in den tieferen Bereichen der wasserungesättigten Bodenzone ausbreiten. Gleichzeitig wird jedoch als Folge der Diffusion eine allmähliche Vermischung mit der Bodenluft und ein Übertritt in die Erdatmosphäre erfolgen.

Die löslichen Komponenten der Mineralöle diffundieren in das Sickerwasser oder Grundwasser hinein. Ein solchermaßen mit gelösten Ölbestandtei len kontaminierter Grundwasserstrom vermischt sich in Fließrichtung mit dem nicht kontaminierten Grundwasser.

Da wir aber davon ausgehen können, daß die Vorflugkontrolle immer am gleichen Standort der Flugzeuge vorgenommen wird, kann es bei mehrmaligem Eindringen kleiner Ölmengen in den Boden zu einer Restölsättigung in der Sickerwasserzone und zum Eindringen des Öls in das Grundwasser kommen.

Mineralölverunreinigungen sind aber schon an der Geländeoberfläche für das Wasser gefährlich, weil Ölbestandteile durch Regen herausgelöst werden und in das Oberflächen-, Sicker- oder Grundwasser gelangen können. Aber auch die Vegetation wird durch Mineralöle bei unmittelbarer Einwirkung durch Absterben oder zumindest durch Verfärben und Kleinwüchsigkeit geschädigt.

Im Wasser lösliche Ölbestandteile können schon in kleinsten Mengen Trinkwasser "organoleptisch", d. h. geschmacklich, nach Geruch und/oder Farbe beeinflussen. Die Geruchs-und Geschmacksbeeinträchtigung von ölkontaminiertem Grundwasser ist unter anderem ausschlaggebend für seine Brauchbarkeit als Trinkwasser. Die Grundlast an natürlichen Kohlenwasserstoffen beträgt in mitteleuropäischen Grundwässern nicht mehr als 0,03 - 0,05 mg/l. Schon eine Erhöhung um nur 0,1 mg/l läßt sich bereits geruchlich oder geschmacklich als eine merkliche Beeinträchtigung erkennen. Untersuchungen haben ergeben, daß Mineralöle ein vielfaches ihrer Menge an Wasser geschmacklich und geruchlich beeinträchtigen können. Nur 1 g Öl kann 10 000 1 Trinkwasser unbrauchbar machen.

Benzine und Mineralölverbindungen enthalten darüber hinaus auch wasserlösliche phenolhaltige Substanzen. Diese ergeben im Trinkwasser, wenn es mit Chlor aufbereitet wird, sehr geruchs- und geschmacksintensive Chlorphenole, wodurch die Schwellwerte weiter ansteigen. Die o. g. Menge des verunreinigten Trinkwassers wird damit noch größer. Genaue Werte lassen sich aber nicht angeben, da das von Art und Menge der Phenole sowie der Chlorierungsstärke abhängt.

Als weitere Gefährdung insbesondere der Bodenflora und -fauna treten dem Flugbenzin beigemischte bleihaltige Antiklopfmittel auf. Eine direkte Gefährdung für den Menschen geht bei den geringen im Flugbenzin enthaltenen Anteilen jedoch nicht aus.

© LBA - Referat Flugsicherheit, 1993