Der Vampyr von Hannover - Als das Flugzeug erwachsen wurde

Nach der Rekonstruktion des Jatho-Motordrachens und des Hanomag-Rekord- Diesel lässt der Initiator der Projekte, der Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte in der Region Hannover (AKTiG), den „Vater aller Hochleistungssegelflugzeuge“ flugfähig nachbauen. Der HAWA „Vampyr“ entstand 1921 bei der damaligen Hannoverschen Waggonfabrik und sorgte kurz darauf seiner Leistungen wegen auf der Wasserkuppe/Rhön für Weltrekorde und Aufsehen. Die qualifizierten Flugzeugbauer Marianne Brandes und Jürgen Hagemann am Flugplatz Hildesheim garantieren, dass sie in der Lage sind, diesen Urahn aller voll-thermikfähigen Segelflugzeuge in Originalgröße flugfähig zu rekonstruieren. Als Enthusiasten der Luftfahrtgeschichte haben sie mehrere Oldtimer gebaut und in die Luft gebracht, u. A. das legendäre „Grunau- Baby“. Zwar gibt es bereits einen Nachbau, der im Segelflugmuseum Wasserkuppe auf der Rhön zu sehen ist, doch der ist nicht flugfähig und war auch nicht als lufttüchtiges Fluggerät konzipiert.

HAWA Vampyr, Museum Wasserkuppe (nicht flugfähig)
HAWA Vampyr, Museum Wasserkuppe (nicht flugfähig)

Den Entwurf für den HAWA „Vampyr“ lieferte Hans Georg Madelung, der u.A. an der damaligen TH Hannover studierte und dort 1921 im Fach Maschinenbau
promovierte. Danach wirkte er zunächst als Flugzeugkonstrukteur in den USA, wurde 1926 zum Professor an der TU Berlin ernannt und war von 1925 bis 1929 Leiter der Flugzeugabteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Der AKTIG steht für das Projekt in Verbindung mit dem Sohn des Konstrukteurs. Der ehemalige Professor für Luftfahrttechnik an der TU München, Prof. Gero Madelung, war u. A. technischer Vorstand der Messerschmitt AG und später Vorstand der MBB-GmbH sowie der Panavia Aircraft GmbH, die von deutscher Seite für die Entwicklung des Kampfflugzeugs „Tornado“ zuständig war.

Marianne Brandes baute das Modell des Hawa „Vampyr“
Marianne Brandes baute das Modell des Hawa „Vampyr“

HAWA H1 „Vampyr“, der Urahn unserer heutigen modernen Hochleistungs- Segelflugzeuge, überzeugte bereits bei seinem Erstflug 1921 auf der Wasserkuppe/Rhön. Das Flugzeug gewann nach dem Ausklinken 170 Meter zusätzliche Höhe in der Thermik und damit den ersten Weltrekord. Bis zu dem Tag waren alle Vorläufer nur Gleiter, die nach dem Ausklinken im Bahnneigungsflug in Richtung Landung unterwegs waren und also zu längeren Flügen nicht in der Lage waren. Ausführende Konstrukteure des Vampyr waren Mitglieder der damals gerade gegründeten Akaflieg, der Akademischen Fliegergruppe Hannover, zugleich Studenten des Flugtechnischen Instituts der Technischen Hochschule. Allen voran waren es insbesondere Arthur Mertens, Fritz Hentzen und Walter Blume, die unter der Leitung von Hermann Dorner
den Entwurf von Georg Madelung in der Hannoverschen Waggonfabrik umsetzten.
Am 18. August 1922 errang der noch einmal verbesserte „Vampyr“ an einem Tag gleich drei Weltrekorde, und am 21. August blieb Pilot Friedrich Hentzen 3 Stunden und 10 Minuten in der Luft und erzielte dabei eine Überhöhung der Ausklinkhöhe von 350 m. Die Studenten Fritz Hentzen und Walter Blume waren hoch dekorierte Jagdflieger des 1. Weltkriegs, Hermann Dorner war im Hauptberuf zuvor Chefkonstrukteur für Flugmotoren bei der Hannoverschen Waggonfabrik (HAWA).

Professor Madelung hat für den Nachbau des HAWA „Vampyr“ unverzichtbare Skizzen und Unterlagen zur Verfügung gestellt.

1:4-Modell des Vampyr, „Fingerübung“ für die 1:1-Rekonstruktion
1:4-Modell des Vampyr, „Fingerübung“ für die 1:1-Rekonstruktion

Für die Rekonstruktion des Flugzeugs sind Mittel in Höhe von ca. 35000 € erforderlich. Da der „Vampyr“ über leicht demontierbare Tragflächen verfügt kann er problemlos zu Flugtagen und Luftfahrtschauen transportiert und dort auch per Flugzeugschlepp in die Luft gebracht werden und damit Zeugnis ablegen von einer weiteren hannoverschen Pionierleistung. Mit dem Projekt „Hawa-Vampyr“ soll der Nachwelt also erneut ein gehöriges Stück hannoverscher Technikgeschichte vor Augen geführt werden.

Projektleitung: Gunter Hartung