Kaiserschmarrn am See und Cappuccino am Lido – Alpenflug 2025 II

von Matthias Baum

Tag 1 - Südwärts in die Alpen
Reichlich Öl ging noch in die Cessna, und ein paar Liter Avgas konnte sie auch noch vertragen, nach den üblichen Checks ging es endlich los mit der Cessna172 und der Piper in 3er Crews - jeweils zwei Piloten um unsere Fluglehrer Marcel und Arnold.
Für uns alle eine besondere Tour, sind doch mit Zell am See und Venedig Lido zwei spektakuläre Locations auf der Liste der beiden. Zum Auftakt ca. 2,5h Flug nach Memmingen als
Zwischenstation, um zu tanken und die Piloten zu wechseln. Die Chance, wegen des guten Wetters direkt durchzustarten nach Zell am See, nutzten wir gerne. Während des nun folgenden Flugs gab es genug Gelegenheit, das Gelernte der Vorbereitung in die Tat umzusetzen. Aufpassen auf Gleitschirme, möglichst rechts in ausreichender Höhe durch die Täler, um aufsteigendes Gelände sicher ausgleichen zu können. Über den Fernpass, danach Kontakt mit Innsbruck Tower, durch die CTR am Inn entlang nach Zell am See. Der Anflug direkt über den See ist sehr spektakulär, nach Linkskurve über den Berghang einbiegen ins Final und letztlich zur Landung zum Kaiserschmarrn im Flugplatzrestaurant. Der Schmarrn machte zwar optisch einen guten Eindruck, schmeckte aber leider seifig. Der Wirt verrät später warum: er wird halbfertig eingefroren, um schnell aufgewärmt servierfertig zu sein. Aus unserer Sicht keine gute Idee. Diretissima geht’s wieder nach Pilotenwechsel übers Inntal nach Friedrichshafen in unser Basecamp direkt am Flugplatz für die nächsten Tage. Nach schönem Abend am Bodenseeufer inklusive Mondfinsternis zurück ins Hotel, um den Lido Venezia schon mental anzuvisieren. Bonna notte!

Tag 2 - Bon giorno Venezia!

Am nächsten Morgen früher Treff zum kurzen Frühstück und Briefing. Das Wetter lässt uns zwar nicht im Stich, aber Marcel und Arnold schlagen vor, auf die mögliche Wassertaxifahrt zum Markusplatz in Venedig zu verzichten und so Zeit zu  gewinnen für den Rückflug, da nachmittags sich das Wetter verschlechtern wird. Ok, so wirds gemacht. Andiamo Nach dem Start über den Fernpass bei bestem Wetter durch die Innsbruck CTR, in der Cessna übernimmt Arnold glücklicherweise das Funken ab dem Brenner. Die hilflose Phrase “Say again” wäre von mir deutlich őfter als Antwort auf die italo-englischen Durchsagen der Lotsen gekommen. Die Piper ist natürlich schneller unterwegs, wir durchfliegen den schon engen Brennerpass, passieren Bozen, weiter geht’s über Trento, dann später westlich halten ins richtige Tal an Riva und dem Monte Baldo vorbei über den Gardasee. Belissimo! Verona links liegen gelassen umfliegen wir ein Naturschutzgebiet und biegen wie geplant ein in Richtung Lagune. Der Blick auf die vorgelagerten Inseln und die Lagunenstadt ist phantastisch, die Landung auf dem Grasplatz gelingt mir einem Hüpfer ganz gut. Die Piper-Crew wartet natürlich schon auf uns und nach den üblichen Formalitäten und kurzer Besichtigung der schönen Empfangshalle geht’s in den Ort Lido zum Cappucino mit Bella vista auf den Markusplatz. Kurzes dolce vita! Dann zurück, Pilotentausch und los geht’s wieder. Zwischen den mächtigen Eisriesen Großglockner und Großvenediger hindurch durchs Inntal, an der Zugspitze vorbei wieder nach Friedrichshafen zur Landung noch rechtzeitig vor dem schlechter werdenden Wetter. Perfektes Timing, um auch noch die Pizza am Bodensee im italienischen Tag unterzubringen.

Tag 3- Vorzeitig nordwärts, Stop im Nirgendwo

Der nächste, dritte Tag, war eigentlich für weitere Flüge in den Alpen vorgesehen, aber das Wetter und die schlechter werdenden Aussichten machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wir entscheiden uns, später am Tag bei besser werdenden Wetter heimwärts zurück zu fliegen und erst noch dem benachbarten Dornier Museum einen Besuch abzustatten. Nach dem Mittag dann reißt die Wolkendecke auf und es geht los. Wir fliegen leicht unterschiedlich Routen, für beide Flugzeuge geht allerdings im Odenwald nichts mehr, die Wolkenuntergrenze wird einfach zu niedrig, wir müssen runter. FIS hilft uns mit dem nächsten sinnvolle Flugplatz, für unsere C172 ist es Mosbach. Der Direktanflug auf dem kleinen Platz gelingt gut. Ein Weiterflug ist nicht mehr möglich, deshalb raus mit den Klamotten aus der Cessna, ein gutes, zentrales Hotel im abseits gelegenen Ort ist mit Unterstützung der freundlichen Flugleiterin schnell gefunden. So gibt’s für uns eine ungeplante Übernachtung- Sichtflug schult das Improvisationsvermögen, wir nehmen wie’s kommt. Die Piper Crew trifft es härter. Nach der Landung zeigt sich ein Plattfuß. Der Reifen muss gewechselt werden, das sorgt natürlich für ein stattliches Delay.  

Tag 4- Finale

Am nächsten Morgen haben wir etwas Zeit und laufen aus dem Ort die 6 km hoch zum Flugplatz. Die Cessna wartet auf uns und wir machen uns auf zur letzten Etappe, dem Heimflug nach Hildesheim, der diesmal unspektakulär verläuft. Die Piper Crew bekommt Unterstützung beim notwendigen Reifenwechsel und fliegt diesmal hinterher. Aufgrund deren Reifenpanne sind wir zuerst in Hildesheim, die Piper folgt am Nachmittag. Mit vielen schönen Eindrücken, Erlebnissen und bestandenen Herausforderungen geht’s nach Hause. Es war eine tolle Tour an die wir alle sicher gerne zurückdenken. Arrividerci Italia! Grazie ad Marcel e Arnold per la grande preparazione e il fantastico supporto!