Mein Weg ins Cockpit – vom Fußgänger zum Piloten
von Brian
Wenn mich heute jemand fragt, warum ich mit dem Fliegen angefangen habe, ist die Antwort eigentlich ganz einfach:
Ich wollte schon als Kind Pilot werden.
Aufgewachsen bin ich in den Niederlanden, in der Nähe des Militärflugplatzes Vliegbasis Volkel. Dort sind täglich F-16 im Tiefenüberflug über unser Haus geflogen. Egal, was ich gerade gemacht habe – mein Blick ging automatisch nach oben. Während andere Kinder Fußball gespielt haben, habe ich Flugzeuge beobachtet. Der Traum war früh da.
Allerdings wollte ich nie unbedingt Linienpilot werden. Mich hat etwas anderes gereizt: die Fliegerei wirklich zu beherrschen. Die Technik zu verstehen. Verantwortung zu übernehmen. Und dieses Gefühl von Freiheit zu erleben, wenn man sich vom Boden löst.
Der erste Schritt – und der Weg in den Verein
Das erste Mal selbst am Steuer saß ich in einem Segelflugzeug. In der Schule gab es einen Segelflugkurs, der mit zwei Flügen im Sommer endete. Nach der Landung war für mich klar: Das will ich wieder.
Lange Zeit dachte ich allerdings, Motorflug sei unbezahlbar. Also habe ich mich zunächst nur mit Segelflug beschäftigt – und das Projekt aus Zeitgründen immer weiter nach hinten geschoben.
Erst während der Corona-Zeit bin ich zufällig auf reale Kostenbeispiele für Motorflug gestoßen. Und plötzlich merkte ich: Es ist nicht billig – aber auch nicht unerreichbar.
Bei meiner Recherche ist mir besonders der Aero Club Hildesheim aufgefallen. Einer der größten Flugvereine in Deutschland, sieben Flugzeuge, eine große asphaltierte Piste – auf dem Papier überzeugend.
Aber entscheidend war etwas anderes: Als ich mich anmelden wollte, wurde ich direkt eingeladen. Ich bekam das Vereinsheim gezeigt, die Flugzeuge, lernte die Mitglieder kennen – und fühlte mich sofort willkommen.
Nicht als „Neuer“. Sondern als zukünftiger Pilot.
Die Ausbildung – Theorie, Praxis und echte Verantwortung
Begonnen habe ich mit der Theorie über die Wintermonate. Das hatte einen großen Vorteil: Als es im Frühjahr praktisch losging, war vieles schon im Kopf sortiert.
Der Theorieunterricht war damals jede Woche am Dienstagabend, heute findet der Unterricht am Dienstag und Donnerstag statt.
Und Theorie klingt trockener, als sie ist. In Wirklichkeit saßen wir in geselliger Runde zusammen, diskutierten Wetterlagen, Lufträume, Technik, Navigation und manchmal auch die ein oder andere Anekdote aus dem Fliegeralltag. Es war Lernen – aber es war vor allem Gemeinschaft.
Die ersten Platzrunden mit Fluglehrer. Starten, landen, wieder starten. Und wieder landen. Funk sprechen, Checklisten abarbeiten, Blickführung trainieren. Am Anfang fühlt sich alles gleichzeitig an – irgendwann wird es strukturiert. Und plötzlich merkt man: Es funktioniert.
Dann kommt der Moment, auf den jeder Flugschüler wartet.
Der erste Soloflug.
Nach der Landung steigt der Fluglehrer aus und sagt: „Jetzt fliegst du alleine.“
Auf einmal ist es still im Cockpit.
Kein erfahrener Blick von rechts.
Keine ruhige Stimme neben einem.
Nur ich. Das Flugzeug. Die Startbahn.
Der Startlauf fühlt sich anders an. Leichter. Direkter. Und wenn sich das Flugzeug vom Boden löst und man zum ersten Mal ganz allein in der Luft ist – dann versteht man, warum man das alles macht.
Dieser Moment ist bis heute das schönste Erlebnis meiner fliegerischen Laufbahn.
Allein abheben. Allein entscheiden. Allein verantwortlich sein.
Ein Gefühl, das ich nie vergessen werde.
Doch die Ausbildung endet dort natürlich nicht.
Es folgen die ersten Überlandflüge. Routen planen, Wetter sorgfältig prüfen, Alternativen berechnen, Lufträume beachten. Ich war während meiner Ausbildung unter anderem in Hannover, Magdeburg, Braunschweig, Hodenhagen und auf vielen kleineren Plätzen unterwegs.
Sogar nach Juist ging es bereits als Flugschüler im Rahmen eines Vereinsausflugs.
Und genau das ist einer der größten Vorteile eines Vereins:
Man ist von Anfang an Teil der Gemeinschaft.
Bei solchen Ausflügen sammelt man nicht nur Flugstunden, sondern auch Erfahrung. Man spricht mit anderen Piloten auf Augenhöhe – selbst noch vor dem Erhalten des Flugscheins. In den monatlichen Versammlungen werden Geschichten erzählt. Aber es sind keine bloßen Anekdoten zur Unterhaltung.
Es sind Erfahrungsberichte.
In der Fliegerei lernt man nicht nur aus eigenen Fehlern – sondern vor allem aus denen anderer. Dabei wird niemand verurteilt. Gesetze und Regeln sind klar definiert. Aber im Verein wird offen diskutiert:
Wie ist es passiert?
Was können wir daraus lernen?
Wie verhindern wir, dass es wieder passiert?
Das ist gelebte Sicherheit.
Am Ende der Ausbildung steht die Evaluierung durch einen weiteren Fluglehrer. Ein ehrlicher Überprüfungsflug. Bin ich bereit? Sitzen die Verfahren? Ist die Entscheidungsfindung sicher?
Und dann folgt die Prüfung.
Theorie und Praxis. Noch einmal volle Konzentration. Und wenn man nach der letzten Landung das Ergebnis bekommt, weiß man: Der Weg vom Fußgänger zum Piloten ist kein Traum mehr – sondern Realität.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ausdrücklich bei Marcel für die hervorragende Ausbildung bedanken. Ohne Geduld, klare Worte und das richtige Maß an Vertrauen wäre dieser Weg nicht derselbe gewesen.
Fliegen ist ernst – und genau deshalb so besonders
Machen wir uns nichts vor: Fliegen ist kein günstiges Hobby.
Aber es ist – mit einem durchschnittlichen Einkommen – absolut machbar. Wie bei jedem anderen Hobby muss man für sich entscheiden, ob es einem das wert ist. Der Unterschied ist nur: Hier bekommt man nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern Verantwortung, Disziplin und ein unglaubliches Gefühl von Selbstständigkeit.
Natürlich sind kommerzielle Flüge nicht erlaubt. Aber gemeinsame Flüge mit Familie oder Freunden sind möglich – und ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten.
Eine Beispielrechnung der Kosten findet ihr hier auf der Webseite.
Wenn ich heute zurückblicke, war ich einfach jemand mit einem Traum – der lange dachte, es sei vielleicht unrealistisch.
Ist es nicht.
Fliegerei ist nichts für Leichtsinnige. Aber sie ist für jeden, der bereit ist zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und dranzubleiben.
Man startet als Fußgänger.
Man lernt.
Man zweifelt.
Man wächst.
Und irgendwann sitzt man allein im Cockpit, rollt zur Startbahn – und hebt ab.
Wenn du also nach oben schaust, wenn ein Flugzeug vorbeifliegt, und es dich nicht loslässt:
Dann komm vorbei.
Im Verein ist jeder willkommen.
Always happy landings!